Warum Backup?
Warum muss Backup bzw. Datensicherung sein?
Die eigenen Daten, seien es Fotos, Videos, Dokumente (die berühmte Diplomarbeit), E-Mails oder einfach nur Programme und/oder deren Konfigurationen, haben für jeden einzelnen einen unterschiedlichen ideellen bzw. monetären Wert. Manchmal bemisst sich der Wert von Datenbeständen beispielsweise auch daran, das durch die Verfügbarkeit das Fortbestehen eines Unternehmens gewährleistet wird. Um diese Werte zu schützen müssen wir sie sichern. Hier dazu meine Gedanken.
Noch ein kleiner Hinweis: Die Begriffe Backup und (Daten-)Sicherung benutze ich hier synonym.
Die Frage nach dem Wert
Die Gründe für eine Datensicherung lassen sich aus folgenden Fragestellungen herleiten:
- Wie teuer und/oder aufwändig ist es meine Daten nach einen Verlust wieder herzustellen?
- Kann ich auf meine Daten verzichten?
Die zweite Frage lässt sich in der Regel sehr eindeutig beantworten, wobei auch hier die Meinungen auseinander gehen. Die einen sagen: „Wenn meine Daten verloren gehen, dann stört mich das nicht.“ Das dürfte dann der Fall sein, wenn die eigenen Daten ohne großen Aufwand aus anderen Quellen wieder hergestellt werden können. Das andere Lager ist jedoch der Auffassung, dass die eigenen Daten einfach unersetzlich sind und diese auf jeden Fall geschützt werden müssen (und seien es nur die Erinnerungsfotos auf dem Handy). Ich vermute ein großer Teil wird sehr an seinen Fotos, Videos, etc. hängen, so dass ich diese Frage einfach mal in meinem Sinne beantworte:
Auf meine Daten kann ich nicht verzichten!
Wie sieht es aber mit dem Aufwand den ich betreiben muss und den Kosten die ich aufbringen muss aus, um meine Daten so zu sichern, so dass ich nicht auf diese verzichten muss. Hier kann man nicht mehr so einfach eine Antwort geben, denn diese hängt von vielen Gegebenheiten ab. Solche Gegebenheiten sollten vorher kurz angesprochen werden um den Aufwand und die Kosten besser abschätzen zu können.
Prinzipien der Datensicherung
Zunächst einmal sollten wir zwei Begriffe miteinander vergleichen:
- Die Datensicherung
- Die Datenarchivierung
Ich möchte hier (auch wenn aus rein technischer Sicht die Grenzen etwas verschwimmen) die beiden Begriffe voneinander abgrenzen.
Datenarchivierung
Die Datenarchivierung beschreibt das Verschieben von beliebigen Daten auf ein Speichermedium für die Archivierung, mit welchem die archivierten Daten lange aufbewahren werden können. Solche Medien können beispielsweise optische Medien wie CDs, DVDs oder BlueRayDisks sein. Aber auch Archive auf Bändern spielen eine sehr gewichtige Rolle.
An dieser Stelle sei auf die Wikipediaseite Langzeitarchivierung verwiesen, hier wird die Haltbarkeit diverser Medien etwas genauer betrachtet.
Datensicherung
Das sicher von Daten beschreibt ein Vorgang die Daten und deren Zustände (auch die verschiedenen Versionen) von verschiedenen Zeitpunkten auf Langzeitspeichermedien zu bringen. Am besten verdeutliche ich das eine einem kleinen Beispiel:
Meine Daten werden täglich gesichert. Dabei werden anfangs alle Daten gesichert und anschließend nur noch diese die sich geändert haben. Kommen neue hinzu werden diese ebenfalls gesichert. Dadurch ist es mir möglich meine Daten im Falle eines Verlustes (und sei es nur das versehentliche Löschen) wieder herzustellen. Auch kann ich im Zweifelsfall eine ältere Version beispielsweise einer Textdatei wieder herstellen.
In aller Kürze: Bei der Archivierung werden nur die finalen Stände der Daten auf Archivierungsmedien verschoben, bei einer Sicherung wird dazu noch eine Historie mit gesichert. Der Aufwand der bei der Datensicherung betrieben werden muss ist naturgemäß etwas größer, da hierfür in der Regel Programme benötigt werden, die diesen Funktionsumfang entsprechend anbieten.
Möglichkeiten Daten zu Sichern
Jetzt möchte ich etwas mehr in die technischen Details gehen. Daten zu sichern kann mit verschieden großem Aufwand betrieben werden. Unter Berücksichtigung der Kosten, der Haltbarkeit der Sicherungsmedien und des Aufwandes werde ich ein paar Beispiele aufzeigen, die die verschiedenen Möglichkeiten verdeutlichen:
Einfache Sicherung/Archivierung auf externe Festplatten
Im einfachsten Fall können die zu sichernden Daten auf externe Festplatten kopiert werden. Dies muss allerdings regelmäßig geschehen und erfordert dadurch den eigenen regelmäßigen Einsatz. Eventuell kann hier auch ein Programm oder ein kleines Skript zum Einsatz kommen das diese Aufgabe übernimmt. Idealerweise wird bei dieser Art von Sicherung die Historie mit archiviert, so dass jede Sicherung in einem eigenen Verzeichnis abgelegt werden muss. Die Verzeichnisse werden dann mit dem jeweiligen Datum benannt. Das wiederum bedingt, dass bei jeder Sicherung alle Daten aufs Neue gesichert werden müssen.
Einfache Sicherung/Archivierung auf optische Medien
Ähnlich wie die einfache Sicherung auf externe Festplatten funktioniert die Sicherung auf optische Medien. Hier wird zu jedem Sicherungszeitpunkt eine CD / DVD / BR gebrannt. Auch hier muss berücksichtigt werden, dass wenn eine Historie mit abgebildet werden soll jedes mal alle Daten gesichert werden müssen.
Einfache Sicherung/Archivierung auf Magnetbänder
Zugegeben, Magnetbänder und Bandlaufwerke sind von den Anschaffungskosten das teuerste, halten dafür auch entsprechend länger. Werden die zu sichernden Datenvolumen sehr groß (mehrere Terabyte), relativieren sich die Kosten jedoch relativ zügig. Im einfachsten Fall werden die zu sichernden Daten wie bei der Sicherung auf Festplatten einfach auf die Bänder kopiert (inklusive der Historie).
Komplexere Sicherungsverfahren
Egal ob auf externe Festplatten oder Magnetbänder (die optischen Medien werden den folgenden Gegebenheiten leider nicht mehr gerecht) gesichert werden soll, eine enorme Vereinfachung kann durch den Einsatz von Backupsoftware erzielt werden. Abgesehen von der Einarbeitung und Konfiguration in diese Software – wahrscheinlich eine einmalige Angelegenheit – wird die Datensicherung hier größtenteils automatisiert. Hier bekommt man Arbeit abgenommen. Die zu sichernden Daten werden automatisiert und mit Historie auf das Zielmedium gebracht. Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass (wie übrigens auch bei den vorhergehenden Methoden) das Zurückspielen der Daten in regelmäßigen Abständen getestet werden muss. Was nützt aufwändige Datensicherung wenn die Daten nicht zurückgespielt werden können – egal aus welchen Gründen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der Aufwand der Datensicherungen in Abhängigkeit zur Datenmenge und der Häufigkeit der Änderung der betreffenden Daten vergrößern sollte. Sollen beispielsweise nur Fotos vom Handy gesichert werden, kann dies, da diese sich im Nachhinein nicht mehr ändern werden, auf ein externes Medium (USB-Festplatte) ohne eine Historie erfolgen. Sind die Daten jedoch derart beschaffen, dass diese sich in regelmäßigen und unregelmäßigen Abständen verändern (an der Diplomarbeit wird weiter geschrieben), sollte auf eine Historie nicht verzichtet werden. Auch hinsichtlich des Befalls von Schadsoftware kann eine Historie in der Datensicherung interessant sein (man kann beim Wiederherstellen der Daten einen Zeitpunkt wählen an dem das System noch nicht infiziert war). Den Wert der zu sichernden Daten bzw. der Datenbestände sollte ebenfalls mit berücksichtigt werden. Sind die Daten Grundlage eines Unternehmens so müssen diese (da unter Umständen auch der Gesetzgeber solches verlangt) gegen den Verlust geschützt werden und je wertvoller die Daten, desto aufwändiger wird die Sicherung ausfallen.
Leider kann man kein Patentrezept für die Datensicherung ausstellen, da viele individuelle Gegebenheiten betrachtet werden müssen. Für den Hausgebrauch kann man jedoch als Zielmedium eine externe Festplatte empfehlen und bei der Sicherungsstrategie und -software sollte man sich entscheiden, welchen Aufwand man betreiben möchte (viel Aufwand bei der Einarbeitung und Konfiguration bei geringem Aufwand im Betrieb oder kurze und einfache Einarbeitung dafür aber regelmäßiger Aufwand beim Sichern). Ich für meinen Teil habe lange Zeit mit rsnapshot gesichert und bin dann auf bareos umgestiegen. Beide Sicherungsprogramme werde ich in späteren Beiträgen vorstellen.
Datensicherung muss gelebt werden
Das wichtigste an der Datensicherung ist das diese „gelebt“ werden muss. Damit will ich sagen, dass man immer darüber bescheid wissen sollte was die Sicherungssoftware so macht. Hierfür kann man in den meisten Programmen eine E-Maibenachrichtigung aktivieren. Idealerweise steht schon in der Betreffzeile der Status der letzten Aktion beziehungsweise Sicherung. Auch ein Monitoring (eher im größeren Umfeld interessant) mit einer entsprechenden Software wie beispielsweise nagios/Check_MK oder zabbix kann hier sehr hilfreich sein um den Status der Sicherungen im Blick zu halten.
Wie vorhergehend schon erwähnt muss auch regelmäßig zurückgesichert werden um in regelmäßigen Abständen die Korrektheit und Funktionsfähigkeit der Sicherung zu überprüfen. Nichts ist so schlimm wie einen enormen Aufwand für die Datensicherung betrieben zu haben um dann, wenn es darauf ankommt, bei der entscheidenden Rücksicherung festzustellen, dass die Datensicherung nicht oder fehlerhaft gearbeitet hat. Für meine Zwecke habe ich einen cronjob eingerichtet, der mich alle 14 Tage via E-Mail daran erinnert meine Daten testweise zurück zu sicher.
Letztendlich kann ich nur jedem Empfehlen die eigenen Daten in jedem Fall zu sichern, denn egal wie lange die Festplatte im Laptop oder PC schon problemlos arbeitet – Technik geht irgendwann einmal kaputt und dafür sollte man vorgesorgt haben.